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11.09.2013

Expertentalk „Karriere nach der Profikarriere“

Welche Möglichkeiten haben Leistungssportler, sich auf die Zeit nach der Karriere vorzubereiten? Vor welchen Problemen stehen sie aufgrund ihres Sports und wie können Lösungen aussehen? Über diese Thematik diskutierten Sportler wie Beachvolleyball-Olympiasieger Julius Brink und Funktionäre wie Ulf Schott vom DFB bei einem vom IST-Studieninstitut veranstalteten Expertentalk zum Thema „Karriere nach der Sportkarriere“.

Die Runde traf sich an der „Playa“ in Köln mit der Fragestellung, wie Profi- und olympische Spitzensportler optimal auf die Karriere nach der sportlichen Karriere vorbereitet werden können. Dabei ging es um die Aspekte Bildung, Berufseinstieg, Leistungsdruck, Gesundheit und finanzielle Absicherung. Diskutanten waren Beachvolleyball-Olympiasieger Julius Brink, DFB-Direktor Ulf Schott, Michael Scharf, Leiter des Olympiastützpunkts Rheinland, Frank Günzel von der VDV-Spielgewerkschaft, Spielerberater Jörg Neblung von Neblung Sportsnetwork und Mario Neunaber, Spieler von SSV Jahn Regensburg.

Auch Statements von Michael Preetz, Manager von Hertha BSC, wurden eingespielt, der verdeutlichte, wie wichtig den Berlinern eine ganzheitliche Betreuung ihrer Spieler ist und dass neben der sportlichen Ausbildung auch Wert auf die Schul- und Berufsausbildung gelegt wird.

Gerade zum Thema Bildung hatte die von Benjamin Willems vom Fachbereich „Sport & Management“ des IST-Studieninstituts moderierte Runde eine klare Meinung: Nach dem Abitur ist es für Leistungssportler kaum möglich, eine Ausbildung oder ein Präsenzstudium zu absolvieren. So stellte Michael Scharf vom Olympiastützpunkt Rheinland klar: „Kaderathleten müssen sich schon irre professionell vorbereiten, um international mithalten zu können.“ Trainings- und Wettkampfzeiten lassen kaum Zeit für andere Dinge – und den Sportlern kaum Möglichkeiten. „Unternehmen, die Ausbildungszeiten flexibel auf Training und Wettkämpfe anpassen, gibt es kaum“, so Scharf. „Aber gerade Flexibilität ist für Sportler wichtig. Durch die Verschulung des Studiums ist auch das kaum zu absolvieren – bin ich bei einem Bachelor zwei Mal nicht da, bekomme ich direkt den Schein nicht.“

Dies unterstrich Spielerberater Jörg Neblung ganz klar: „Für Jungprofis ist eine reguläre Ausbildung mit schulischen Verpflichtungen schlicht nicht möglich, ein verschultes Studium ebenso nicht. Was bleibt, ist ein Fernstudium – momentan der Weg, den man gut beschreiten kann.“

Lernen auf der Auswärtsfahrt
Der Auffassung waren alle, da ein Fernstudium die notwendige Flexibilität bietet. Aus persönlicher Erfahrung bestätigten konnte das Mario Neunaber. Der Fußballprofi von SSV Jahn Regensburg bringt mit seiner Plattform sport-connects.de Sportler und Unternehmen zusammen und hat beim IST-Studieninstitut u.a. die Weiterbildung „Sportmanagement“ absolviert. „Wenn ich im Mannschaftsbus auf der Fahrt nach Rostock acht Stunden unterwegs bin, habe ich auf jeden Fall die Möglichkeit, ein Studienheft in die Hand zu nehmen und zu lernen. Die Zeit ist bei Fußballern definitiv da, man muss es nur wollen.“

Auch Julius Brink hat bereits eine IST-Weiterbildung belegt und sich aktuell für den Bachelor-Fernstudiengang „Sportbusiness Management“ an der IST-Hochschule eingeschrieben. „Beachvolleyball ist ein full-time-job. Und bei unserem Projekt Olympia-Gold haben wir erst einmal alles untergeordnet, da bleibt kaum Zeit zu lernen. In den Saisonpausen sind aber Zeitfenster freiräumbar. Deshalb ist die Flexibilität so dringend notwendig – mal eben nebenbei ein Präsenzstudium zu absolvieren ist nicht möglich.“

Neben dem Thema Bildung wurde auch die finanzielle Vorsorge besprochen. Auch hier wurde Klartext gesprochen. „Die meisten Kaderathleten verdienen kein Geld mit dem Sport“, so Michael Scharf. „Wenn wir über durchschnittliche Sportler in olympischen Sportarten reden, reden wir nicht über Rücklagen anlegen, sondern darüber, dass man durch den Sport keine allzu großen finanziellen Nachteile und Einbußen hat.“ Diese Sportler haben nur bei wenigen ganz großen Sportevents die Möglichkeit mit Siegen und einer optimalen Vermarktung gutes Geld zu verdienen. Hier stellte Jörg Neblung klar: „Selbst Silber bei Olympia reicht für die Vermarktung eigentlich nicht aus.“ Turner Marcel Nguyen zum Beispiel sei eine Ausnahme, „weil wir hier nicht nur den Sportler vermarkten, sondern auch eine idealtypische Optik,  Sexappeal und ein gutes Kommunizieren. Ansonsten haben solche Sportler kaum Möglichkeiten, finanziell gut vorzusorgen.“

Individuelle Karrierepläne und gute Betreuung
Auch im Fußball schafft es nur ein kleiner Teil wirklich in die Spitze. Deshalb betonte Ulf Schott auch, dass „die Persönlichkeitsentwicklung im Vordergrund stehen muss. Das Selbstvertrauen von jedem Sportler sollte auf verschiedenen Säulen aufbauen, neben der Konzentration auf den Sport sind auch andere Säulen wichtig.“

VDV-Laufbahnberater Frank Günzel empfahl auch Fußballern, sich frühzeitig um die Zeit nach der Karriere zu kümmern, zum einen sei die Konkurrenz sehr groß, zum anderen würden eine Vielzahl von Fußballern aufgrund von Sportverletzungen ausscheiden. „Gerade auch Zweit- und Drittligaspieler haben nicht für den Rest des Lebens ausgesorgt und sollten darauf vorbereitet sein.“

Und auch wenn Jörg Neblung sagt, dass es „den Jungs zugestanden ist, nach erfolgreichem Abitur erst einmal alles auf die Karte Fußball zu setzen“, sollte man seiner Meinung nach als Berater ehrlich mit den Sportlern umgehen und diese sollten realistisch einschätzen „wer bin ich und was kann ich“ – und gegebenenfalls lieber einen Vertrag in einer Liga tiefer annehmen, wo aber vielleicht ein Anschlussjob und der Einstieg ins Berufsleben möglich ist.

Als Fazit wurde festgehalten, dass es für viele Sportler nicht so gut bestellt ist, wie die meisten Menschen vielleicht glauben und dass sie gerade im Blick auf die „Karriere nach der Sportkarriere“ mit großen Problemen zu kämpfen haben. Wichtig sei auf jeden Fall die frühe Sensibilisierung der Sportler und deren Umfeldes für das Thema – aber auch die Politik und Sportorganisationen sind hier in der Verantwortung. Eine umfangreiche Betreuung wurde als genereller Bedarf festgestellt, auch sollte es für jeden Sportler einen individuellen Karriereplan geben. An die Wirtschaft geht der Appell, Berufssportlern flexible Berufseinstiege zu ermöglichen und sie finanziell zu unterstützen.

Wer die gesamte Diskussion noch mal ausführlich sehen möchte, findet einen Live-Mitschnitte unter  www.ist-sportbusiness-live.de.

 

Mit freundlicher Unterstützung von:

 

Foto oben (von links nach rechts): Mario Neunaber (SSV Jahn Regensburg), Frank Günzel (VDV-Spielgewerkschaft), Ulf Schott (DFB), Julius Brink (Beachvolleyball-Olympiasieger), Michael Scharf (Olympiastützpunkt Rheinland), Jörg Neblung (Neblung Sportsnetwork), Benjamin Willems (IST-Studieninstitut)